Studentische Unternehmensberater sind bei großen Firmen, aber auch bei Mittelständlern gefragt
Vom Hörsaal in den Wirtschaftsalltag
Was reizt einen angehenden Wirtschaftsingenieur daran, gestandene Unternehmer in Sachen Qualitätsmanagement zu beraten oder neue Werbeideen für einen Schokoriegel zu entwickeln? Neben dem Geld ist es vor allem die Möglichkeit, die an der Uni erworbenen theoretischen Grundlagen mit der Praxis zu verknüpfen. "Ich sehe die Arbeit zudem als persönliche Weiterentwicklung", sagt Armin Harbrecht, Student im 6. Semester an der Uni Karlsruhe und seit zwei Jahren Mitglied der Studentischen Unternehmensberatung Delta e.V.
Rund 100 Beratungsprojekte hat Delta in den fast zehn Jahren abgeschlossen
Tendenz steigend. Die Bandbreite der Beratungsleistungen reicht von Qualitätsmanagement und Controlling über Logistik bis hin zu Marktanalysen und Unternehmensstrategie. Im vergangenen Jahr ließ sich Delta als erste deutsche studentische Unternehmensberatung nach der international anerkannten Qualitätsnorm zertifizieren, um die Qualität der Beratungsleistungen langfristig sicherzustellen. Dabei sollen auch Werte wie Unternehmertum, Teamgeist und Professionalität gewahrt werden.
Gut neuneinhalb Jahre ist es nun her, seit sich sieben Studenten der Universität Karlsruhe (TH) fragten, was man tun könne, um die von der Universität vermittelten theoretischen Grundlagen mit der Praxis zu verknüpfen. Als Ergebnis gründeten sie am 1. Februar 1996 die Studentische Unternehmensberatung Delta e.V. Heute engagieren sich in dem Verein mehr als 100 Studenten verschiedener Fachrichtungen. Die Mitglieder besuchen regelmäßig Schulungen und Workshops, die sie auf ihre Beratungstätigkeit vorbereiten. Bei der Weiterbildung kann der Verein auf die Unterstützung renommierter Unternehmen, wie der Managementberatung Booz Allen Hamilton oder Siemens zählen.
Potentielle Klienten sprechen die studentischen Unternehmensberater z.B. auf Messen, wie der IAA oder der Cebit an. "Aber auch private Kontakte spielen eine große Rolle", so Harbrecht. Gut die Hälfte der Aufträge sind Folgeprojekte. Zu den Kunden zählen kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch Großunternehmen wie BMW, DaimlerChrysler oder die AXA-Gruppe. Die jeweiligen Projektteams handeln ihre Vergütung selbst aus. Dabei legt Delta Wert auf eine interdisziplinäre Zusammensetzung der Teams, um aus verschieden Blickwinkeln die optimale Lösung zu finden. Von den Beratungshonoraren der "Großen" können die studentischen Berater bislang allerdings nur träumen.
Studentische Unternehmensberatung als Teil eines BWL-Master-Studiums in Berlin
Die Studierenden des Aufbaustudiengangs Masters in European Business übernehmen während ihres Studium an der ESCP-EAP Berlin Beratungsprojekte ("Company Consultancy Projects") für verschiedene Unternehmen aus der deutschen Wirtschaft. Als Teil des regulären Studienprogramms erarbeiten die aus jeweils vier Teilnehmern bestehenden internationalen Teams Aufgaben, die von Unternehmenskunden in Auftrag gegeben worden sind. So ließt die Tochterfirma eines global agierenden Lebensmittelkonzerns für die Erarbeitung von Vermarktungsstrategien eine Studie anfertigen. Dabei schätzen die Studierenden vor allem die praktische Bedeutung der Arbeit, wie Nathalie Benoit betont: "Das war eine sehr spannende Erfahrung." Das Spektrum der beteiligten Unternehmen reicht von der kleinen Firma bis hin zum global arbeitenden Dienstleister. Aber auch in der Wirtschaft kommt das Angebot an: "Wir sehen ein stetig steigendes Interesse an der Beratungsarbeit unserer Studierenden in diesen Beratungsprojekten", sagt Professor Stefan Schmid, akademischer Leiter des Programms.
Die Idee, an der Universität erlerntes theoretische Wissen bereits während des Studiums praktisch anzuwenden, stammt aus Frankreich: Mitte der sechziger Jahre wurden dort die erste Studentischen Unternehmensberatungen - die Junior Enterprises (JE) gegründet. Schnell verbreitete sich diese Idee europaweit. Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es Studentische Initiativen auch in Deutschland. Mittlerweile gibt es in Deutschland etwa 80 solcher Vereine.
Im Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) sind bislang 27 Mitglieder organisiert. Der Verband pflegt Kontakte zu Unternehmen, Institutionen und Verbänden. Auch bei der Neugründung einer Studentischen Unternehmensberatung können sich Studenten von dem Dachverband unterstützen lassen.
von Marie-Thérèse Nercessian, www.welt.de
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