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Starthilfe Praktikum

Durchschnittlich absolvieren Studenten in Deutschland drei Praktika. Und für viele Studenten ist nach der Uni noch nicht Schluss, denn der Trend, nach dem Studium über ein Praktikum in den Beruf einzusteigen, ist ungebrochen.

Eine PR-Agentur in Düsseldorf sucht regelmäßig nach Praktikantinnen. Diese werden dann in das Vorzimmer gesetzt, müssen Kopien erstellen, das Telefon bedienen und die Reisekostenabrechnungen für die beiden Geschäftsführer machen. Nach drei Monaten dürfen sie sich selber ein Zeugnis schreiben, in dem steht, dass sie viel über die Arbeit eines PR-Beraters gelernt haben. Nur ein Beispiel für viele Unternehmen, die Praktikanten als willige und billige Arbeitskräfte missbrauchen und sich so die Einstellung einer Vollzeitkraft sparen. Ein großer Teil der Unternehmen in Deutschland investiert allerdings viel Zeit und Mühe in die Bereitstellung von Praktikumsplätzen. Einen solchen zu ergattern erfordert gute Vorbereitung und gezielte Suche.

Den richtigen Zeitpunkt wählen
Grundsätzlich gilt: Praktika sind sinnvolle Maßnahmen vor oder während des Studiums. Hier können die erlernten Dinge erstmals in die Praxis umgesetzt werden und man erhält Einblick in den Arbeitsalltag. Außerdem können Praktikanten wertvolle Kontakte im Unternehmen knüpfen, was für eine spätere Bewerbung entscheidende Vorteile bringen kann.

Praktikum nach dem Studium: Sinnvoller Berufsstart?
In den meisten Fällen macht es allerdings wenig Sinn, sich nach dem Studium von Praktikum zu Praktikum zu hangeln, um Lücken im Lebenslauf zu vermeiden. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel und es gibt sicherlich Unternehmen, die ein Praktikum als eine Art unverbindliche Probezeit betrachten, man sollte sich aber nicht zu viele Hoffnungen auf einen späteren Arbeitsvertrag machen. Wenn Sie als Absolvent über ein Praktikum den Weg in eine Festanstellung suchen, dann sollten Sie dies offen im Bewerbungsgespräch erwähnen. An dieser Stelle wird der Personalsachbearbeiter ihnen sicher reinen Wein einschenken und die Chancen für eine Festanstellung erläutern. Gibt es keine Aussichten auf eine spätere feste Übernahme, so stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Freiraum für andere Vorstellungsgespräche und Bewerbungen erhalten.

Überlegen Sie genau, wie wichtig Ihnen dieses Praktikum ist. Unter Umständen macht es nämlich für Absolventen mehr Sinn, den Zeitraum bis zum ersten Job mit anderen Dingen zu füllen, denn wie Perlen aneinander gereihte Praktika kommen bei Personalern nicht unbedingt gut an. Wenn der erste Job auf sich warten lässt, kann eine Teilzeitbeschäftigung, ein Job bei einer Zeitarbeitsfirma oder eine Weiterbildung für das Erreichen der Karriereziele eher in Frage kommen.

Eine Checkliste hilft bei der Auswahl
Eine Checkliste erleichtert die Entscheidung darüber, welcher Praktikumplatz der richtige ist:

  • Ich möchte herausfinden, ob der angestrebte Beruf der richtige ist.
  • Ich will eine bestimmte Branche kennen lernen.
  • Das Unternehmen sollte mir die Möglichkeit geben, mehrere Fachbereiche kennen zu lernen.
  • Ich möchte nur bestimmte fachspezifische Kenntnisse erlangen bzw. erweitern.
  • Ich möchte in erster Linie meinen persönlichen Horizont erweitern und etwas Neues kennen lernen.
  • Ich will ein Netzwerk von Kontakten aufbauen, die für das weitere Studium und die Jobsuche danach wichtig sind.
  • Das Image und der Name des Unternehmens sind mir für meinen Lebenslauf sehr wichtig.
  • Ich will Auslandserfahrung sammeln.
  • Ich bin bereit, für ein Praktikum an einen anderen Ort (oder ins Ausland) zu gehen und kann damit verbundene Kosten auf mich zu nehmen.
  • Mein Praktikum kann x Wochen/Monate dauern.
  • Ich würde unter Umständen ein Studiensemester zur Absolvierung des Praktikums aussetzen.
  • Ich bin zeitlich flexibel. / Ich bin zeitlich aufgrund von Klausuren u.ä. gebunden, kann aber einen Wunschzeitraum bereits benennen.
  • Ich bin bereit, auch für einen geringen (oder eventuell auch gar keinen) Lohn zu arbeiten.

Nicht nur an einer Stelle suchen
Es gibt verschiedene Wege, an einen Praktikumplatz zu gelangen - und man sollte möglichst viele davon nutzen. Die meisten Unternehmen schalten für Praktikumstellen Anzeigen in Online-Jobbörsen (z.B. bei www.berufsstart.stepstone.de) und auf der eigenen Homepage. Ein wichtiger Weg zur Praktikantenwerbung sind aber auch Hochschulmessen, z.B. Firmenkontaktbörsen an der Uni, Absolventenkongresse oder die Veranstaltungen von access. Insbesondere große Unternehmen rekrutieren auch auf internationaler Ebene über ihre ausländischen Geschäftsstellen oder in Zusammenarbeit mit studentischen Organisationen wie IAESTE oder AIESEC.

Natürlich kann man auch über persönliche Kontakte zu einem interessanten Praktikum kommen. Wer in seinem näheren Umfeld niemanden kennt, der Kontakt zum Wunschunternehmen herstellen kann, der sollte auch mal seinen Professor ansprechen, denn insbesondere in den technischen Bereichen haben Professoren oft gute Kontakte zur Wirtschaft. Auch der Besuch von Fach- und Infoveranstaltungen kann hilfreich sein, denn hier können Vertreter des Wunschunternehmens direkt angesprochen werden.

Bitte nicht zu spät an das gewünschte Praktikum denken: Man sollte sich auf jeden Fall rund 6 Monate vorher bewerben. Für Auslandspraktika und sehr begehrte Stellen sollte die Suche schon 6 - 12 Monate vorher beginnen.

Bewerbung bitte professionell
Beliebte Arbeitgeber erhalten leicht mehrere 10.000 Praktikanten-Bewerbungen im Jahr. Deshalb bevorzugen besonders die großen Unternehmen mittlerweile Online-Bewerbungen. Gibt es auf der Firmen-Homepage ein besonderes Bewerbungsformular, so sollte dieses für die Bewerbung genutzt werden. Das spart Zeit und Geld für beide Seiten.

Auch für das Praktikum gelten die Regeln jeder Bewerbung: Sorgfältig und vollständig. Außerdem sollte jede Bewerbung individuell auf das Unternehmen zugeschnitten sein, denn Personaler erwarten eine Begründung, warum Sie sich gerade dort bewerben. Informieren Sie sich also vorab genau und beschreiben Sie konkret, warum Sie gerade in dieser Firma Ihr Praktikum absolvieren möchten. Allgemeine Formulierungen wie "Ich möchte gerne mal im Ausland arbeiten" zeigen nicht viel Individualität und Einsatzbereitschaft. Zeigen Sie Ihr wahres Interesse am Unternehmen, heben Sie z.B. die innovative Markenstrategie oder die hohe Produktqualität hervor, deren Bearbeitung Sie gerne kennen lernen möchten.

Gehen Sie immer konkret auf die ausgeschriebene Stelle ein und begründen Sie gezielt und konkret, warum Sie gerade dieses Praktikum reizt. Wenn Sie sich initiativ bewerben, sollten Sie bereits möglichst konkrete Angaben zum gewünschten Einsatzbereich machen und auch einen Wunschtermin nennen. "Ich möchte gerne mal im Marketing arbeiten" genügt da nicht. Stellen Sie Verknüpfungen zu Studieninhalten her und verweisen Sie auf die Dinge, die Sie dem Unternehmen bieten können: "Mein Studienschwerpunkt liegt im Bereich Statistik und ich bin versiert in der Erhebung marktrelevanter Zahlen, die zur Erstellung einer Marktanalyse für neue Produkte wichtig sind." Wichtig ist auch, deutlich zu machen, dass Sie auch während des Praktikums Verantwortung übernehmen möchten.

Praktikanten sind begehrte Nachwuchskräfte
Übertreibungen sind in der Bewerbung nicht gefragt, doch als Student brauchen Sie auch nicht tief zu stapeln. Immerhin ist für eine große Zahl von Unternehmen die Rekrutierung von Praktikanten ein wichtiger Faktor für die Nachwuchssicherung. Gute Praktikanten kommen in der Regel in ein Bindungsprogramm und werden für eine spätere Einstellung vorgemerkt. Personelle Fehlschläge sind für Firmen sehr teuer und deshalb wird gerne auf bereits bekannte und engagierte Studenten zurück gegriffen, um passende Stellen optimal zu besetzen.

Umso wichtiger ist das Engagement, das Sie während Ihres Praktikums an den Tag legen: Verstecken Sie sich nicht hinter Ihrer Arbeit, sondern zeigen Sie Interesse. Fragen Sie, ob es möglich ist, an einem konkreten Projekt mit zu arbeiten, oder sogar ein kleineres Projekt selbständig zu übernehmen. In vielen Unternehmen wird dies gerne so gehandhabt, denn nur so findet die Firma heraus, ob der Praktikant tatsächlich zum festen Mitarbeiter taugt. Halten Sie mit Ihrer Meinung nicht hinter dem Berg und reden Sie über die erbrachte Leistung - aber bitte ohne Übertreibung und Besserwisserei!

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, aber es gibt immer wieder Studenten, die Stunden im Raucherraum verbringen, Hunderte von Seiten für die anstehende Diplomarbeit kopieren oder ungefragt ihre Meinung heraus posaunen. Diese Dinge helfen der Karriere nicht weiter! Bei allem Anspruch, den man an eine Praktikumstelle haben darf, so gehört zur Routine am Arbeitsplatz mitunter auch das Sortieren der Kundenkartei oder das Kopieren und Verteilen der Mitarbeiterzeitung. Auch diese Arbeiten sollten motiviert und zuverlässig erledigt werden, das bringt Pluspunkte.

Nutzen Sie die Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen, die für eine spätere Bewerbung wichtig sein könnten. Und bedenken Sie dabei, dass die Kontakte nur so gut sind, wie sie gepflegt werden. Wer nach seinem letzten Arbeitstag bis zum Ende des Studiums nichts mehr von sich hören lässt, muss sich über mangelnde Resonanz auf seine Bewerbung nicht wundern. Teilen Sie Ihrem Ansprechpartner und der Personalabteilung rechtzeitig mit, dass Sie nach dem Studium an einem festen Job im Unternehmen interessiert sind und machen Sie dabei deutlich, dass Ihnen die Arbeit und das Umfeld gut gefallen hat. Bleiben Sie im Gespräch, indem Sie ab und zu nach Neuigkeiten fragen, die Firmenfeier besuchen oder Chef und Kollegen telefonisch oder per E-Mail zum Geburtstag oder Firmenjubiläum gratulieren.

Objektives Resumée ziehen
Sie haben während des Praktikums viel gelernt, haben eigenständig Präsentationen erstellt, sind zu Kundenbesuchen mitgefahren oder haben bei der Lösung eines technischen Problems hilfreich mitgewirkt. Ihr Vorgesetzter hat Sie gebeten, in Kontakt zu bleiben oder Ihnen bereits ein konkretes Thema für die Diplomarbeit angeboten? Herzlichen Glückwunsch! Bleiben Sie in Kontakt und nutzen Sie Ihre Chancen. Doch wenn es überhaupt nicht so gut lief, Sie mit den Kollegen einfach nicht warm wurden, der Arbeitsbereich ganz anders aussah, als Sie sich das vorgestellt haben und Sie nichts langweiliger fanden, als Umsatzzahlen auszuwerten, dann sehen Sie auch diese Erfahrung als Chance: Immerhin wissen Sie jetzt genau, was Sie nach dem Studium nicht wollen und das ist schon sehr viel wert!

Lesen Sie im 2. Teil, welche Rechte Sie als Praktikant haben und was Sie bei Gehalt, Sozialversicherung und Arbeitszeugnis beachten müssen: Praktikum Checkliste.

© StepStone, 2005

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