Volkswirtschaftslehre
Im Fach Volkswirtschaftslehre (VWL) stehen betriebsübergreifende Aspekte im Vordergrund. Gegenstand des Studiums sind die Analyse und Gestaltung des Marktes in einer Gesellschaft und der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Entwicklungen von Einzelunternehmen sind nur bezüglich ihrer Wirkung auf die Volkswirtschaft von Interesse. Untersucht werden Preisbildung und Verteilung von Arbeit, Boden und Kapital. Zudem werden die Funktion des Geldes, des Wirtschaftskreislaufes, der Beschäftigungs-, Konjunktur- und Wachstumspolitik sowie der Außenwirtschaft analysiert.
Im Gegensatz zu Betriebswirten, die sich in der Regel mit einzelbetrieblichen Fragestellungen befassen, arbeiten Volkswirte üblicherweise in Arbeitsfeldern, in denen der Fokus auf betriebsübergreifenden Aspekten der Volkswirtschaft liegt. So untersuchen und bewerten Volkswirte die wirtschaftlichen Abläufe in Bezugnahme auf staatliche und überstaatliche Entwicklungen oder unter Berücksichtigung der Einzelentscheidungen von Unternehmen. Beschäftigungsfelder finden Volkswirte vor allem in Bereichen der Wirtschaftspolitik, der Wirtschaftsplanung, aber auch im Bereich der Berufsbildungsplanung, der Regional- und Strukturplanung, im Rechnungs- und Bilanzwesen und in statistischen Abteilungen.
Neben industriellen Großbetrieben und Handelsunternehmen, die international operieren und für die daher Kenntnisse über ausländische Ökonomien von Bedeutung sind, stellen insbesondere Wirtschaftskammern sowie nationale und internationale Behörden und Verbände Absolventen der VWL ein. Auch Banken und Versicherungen sowie Bundes- und Landesbehörden bieten Arbeitsplätze für Volkswirte.
Die typischen Berufsfelder von Volkswirten sind also weniger pragmatisch-betrieblich als vielmehr analytisch-wirtschaftspolitisch ausgerichtet. Doch finden sich auch in klassisch betriebswirtschaftlichen Funktionen Volkswirte - allerdings müssen bei der Bewerbung bereits fundierte betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikationen vorhanden sein. Die wichtigsten Funktionsbereiche sind nach der Anzahl der beschäftigten Volkswirte die Aus- und Weiterbildung, das Finanz- und Rechungswesen, die Forschung und die Allgemeine Verwaltung/Koordination.
Unter den erwerbstätigen Wirtschaftswissenschaftlern liegt der Anteil der Volkswirte bei 12 Prozent. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit "läuft aus Sicht der Erwerbstätigen das Studium der Betriebswirtschaftslehre dem ohnehin vergleichsweise weniger attraktiven Studium der Volkwirtschaftslehre weiter den Rang ab". Bei Stellenausschreibungen sind für Volkswirte grundsätzlich weniger Stellen ausgeschrieben als für Betriebswirte. Stellen, die sich bevorzugt oder gar ausschließlich an Volkswirte richten, sind dabei seltener als Ausschreibungen, die vorwiegend an Betriebswirte gerichtet sind, aber ebenfalls Volkswirte mit entsprechender Qualifikation berücksichtigen. Der Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V. rät Studenten der Volkswirtschaftslehre daher ihre Diplomarbeit möglichst zu einem betriebswirtschaftlichen Thema zu verfassen um mit den BWL-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren zu können. Rund ein Drittel der für Volkswirte ausgeschriebenen Stellen kommen aus dem Bereich Hochschule und Forschung, an zweiter Stelle stehen Wirtschafts- und Personalberatungen, gefolgt von Behörden und dem Kreditgewerbe.
Für den Teilarbeitsmarkt mit den meisten Stellenausschreibungen für Volkswirte - der Bereich Hochschule und Forschung - sieht die Prognose gut aus: Bis zum Jahr 2009 wird etwa die Hälfte der Professoren in den Ruhestand gehen. Allerdings muss einschränkend hinzugefügt werden, dass die Nachfrage hier stark von der zukünftigen finanziellen Ausstattung der Hochschulen und Forschungsstätten abhängt. Wer eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt, der erhält in Deutschland an den Universitäten Kiel und Mannheim und an der LMU München die fundierteste Ausbildung, ergab eine Untersuchung des Centrums für Hochschulforschung (CHE) und des Stern. Für den Berufseinstieg im Bereich Hochschule und Forschung sind hervorragende Noten und der jeweils passende Studienschwerpunkt Voraussetzung.
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