Endlich der erste Job. Nach den Prüfungen haben viele nur einen Wunsch: auf der Stelle loslegen. Thomas Egli kennt das Gefühl: "Ich war heiß drauf, nach der Unizeit endlich richtig zu arbeiten." Das war vor zwei Jahren, als der Wirtschaftsinformatiker seinen ersten Job bei IBM begann. Erst mal musste er sich aber noch gedulden. Bevor er an die praktische Arbeit konnte, gab es für ihn und seine neuen Kollegen vier Wochen Einführungskurse zu Unternehmen und IBM-Programmen. Dann endlich das erste eigene Projekt, auf das Egli so gespannt war. "Ich wollte ja auch wissen, wo ich mit meinem Können stehe", sagt er. Das IBM-interne Projekt schloss Egli im Team mit zwei weiteren Neulingen nach drei Monaten ab und stellte es erfolgreich seiner Abteilung vor. Ein perfekter Start.
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Anpassen oder profilieren?
Andere haben nicht soviel Geduld. Sie wollen mit Vollgas lospreschen und kommen nicht vom Fleck, weil die Reifen durchdrehen. Vom individualistischen Unileben müssen sich viele Absolventen erst einmal umstellen auf die Mannschaftsarbeit im Unternehmen. "Im Studium konnte jeder Gas geben oder langsam machen, wie er wollte. Beim Job sitzen sie nicht mehr am Steuer, sondern springen auf einen Zug auf", sagt Claire Barmettler, Psychologin und Laufbahnberaterin im S&B Institut für Berufs- und Lebensgestaltung. Die Neuen müssten sich erst mal daran gewöhnen, sich in das Getriebe einzufügen. Dazu gehöre auch, dass die ehemaligen Studenten manchmal unbeliebte Aufgaben übernehmen müssen. Barmettler: "Für manchen, der an der Uni immer ausschließlich seinen Interessen nachgehen konnte, ist das eine unangenehme Überraschung". Die ersten Monate seien deshalb eine Gratwanderung zwischen Anpassung und Profilierung. Jeder müsse selbst einschätzen, wie viel Eigenständigkeit er zu Beginn zeigen soll, meint die Laufbahnberaterin.
Genau hingucken und nachfragen
Die zwei wichtigsten Grundregeln für Berufsstarter: Beobachten und fragen, sobald etwas unklar ist. Der Neue muss möglichst schnell herausfinden, welche Spielregeln im Unternehmen gelten. Er sollte genau beobachten, wessen Wort Gewicht hat, wer kooperativ ist, wer als Außenseiter gilt. Solange er die Rollen der Kollegen nicht sicher einschätzen kann, fährt er mit Zurückhaltung am besten. Mit einer vorschnellen Bemerkung beim falschen Kollegen hat man seinen Neuling-Bonus schnell verspielt.
Die Strukturen des neuen Unternehmens findet man am einfachsten durch Fragen heraus. Wichtig ist, sich bei Unklarheiten sofort zu melden. Denn manche Fragen zum Unternehmen kann man nach einem halben Jahr nicht mehr stellen, ohne schief angeguckt zu werden.
Starthilfe für Einsteiger
Viele Fragen werden bereits in den Einführungsprogrammen beantwortet, die große Unternehmen wie IBM oder Siemens speziell für Jobstarter anbieten. Die Starthilfe besteht meist aus Begrüßungsveranstaltungen, Einführungskursen und persönlichen Karriere-Coaches. Denn meistens scheitern Abläufe nicht an technischen Schwierigkeiten, sondern weil soziale Grundregeln zuwenig beachtet werden. Mit Soft Skills lassen sich solche Klippen umschiffen. Mehr noch: Wer gut mit seinen Kollegen zusammenarbeiten und sich krampflos mit ihnen verständigen kann, macht sich die Arbeit leichter.
Je mehr Mitarbeiter man persönlich kennt, desto leichter bekommt man Hilfe und interessante Informationen. Oft genügt dann ein Anruf, wo andere stundenlang recherchieren müssen. Gerade die Einführungsveranstaltungen mit anderen Einsteigern sind ideal, um sein Netzwerk im Unternehmens aufzubauen. Und ein Fürsprecher mit den richtigen Kontakten nach oben ist ohnehin die beste Karrierehilfe.
So schaden Sie sich selbst
- Bemerkungen über Kollegen oder den Chef machen, bevor Sie das Machtgeflecht durchschauen
- Pünktlich Feierabend machen
- Unvorbereitet in Meetings gehen
- Zuviel Privates ausplaudern
- In der ersten Woche von Urlaub reden
- Kritik abblocken. Sie wissen von den Abläufen weniger als alle anderen.
- Sich absondern. Gehen Sie mit den Kollegen in die Mittagspause
- Zu schnell aufgeben. Im Anfangsstress wirkt vieles schlimmer als es ist
- Überheblichkeit und Besserwisserei
- Sekretärin vergällen. Sie ist eine wichtige Verbündete
Das erleichtert den Start
- Gehen Sie vor dem ersten Tag die Unterlagen zu dem Unternehmen noch mal durch
- Nutzen Sie den Neuling-Bonus und fragen Sie nach
- Machen Sie sich Notizen. Sie können sich nicht alles merken
- Schaffen Sie auf Ihrem Arbeitsplatz Ordnung. Chaos frisst Zeit
- Zeigen Sie Einsatz, aber übertreiben Sie nicht
- Merken Sie sich die Namen der Kollegen
- Bieten Sie anderen Hilfe an
- Glauben Sie nicht alles, was man Ihnen erzählt. Machen Sie sich ein eigenes Bild
- Halten Sie sich bedeckt, ohne zugeknöpft zu sein
- Bringen Sie Ideen vorsichtig an
Autor: Holger Thissen, hobsons Datum: 11/04
StepStone kooperiert mit Hobsons und versorgt Studenten und Absolventen mit Informationen rund um Studienrichtung, Bewerbung und Berufseinstieg.
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