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Englisch allein reicht oft nicht

Eine zweite Fremdsprache verbessert die Berufschancen. Osteuropäische Sprachen gewinnen nach der EU-Erweiterung an Bedeutung

Den Mehrsprachigen, Mobilen, Motivierten gehört die Zukunft. In Zeiten zunehmender Internationalisierung der Märkte und grenzüberschreitender Geschäftsbeziehungen wachsen auch die Anforderungen an Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Was anfangs überwiegend für das obere Management galt, betrifft heute immer mehr Hierarchie-Ebenen und damit eine immer größer werdende Zahl von Mitarbeitern. Fremdsprachenkenntnisse sind vielfach Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufstätigkeit.

Schon 61 Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen in Fremdsprachen als Zusatzqualifikation einen großen Bedarf. Im Schnitt benötigt etwa jeder fünfte Erwerbstätige in Europa eine Fremdsprache am Arbeitsplatz, berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Dabei beschränkt sich die Fremdsprachennutzung heute nicht mehr allein auf Führungskräfte, Ingenieure und Wissenschaftler, sondern wird auch von Fachkräften erwartet. Besondere Bedeutung haben Fremdsprachen im Bereich Dienstleistungen (24 Prozent).

In Deutschland geben 78 Prozent der Erwerbstätigen, die eine Fremdsprache nutzen, Englisch als erste Fremdsprache an. Neun Prozent nutzen Französisch, sieben Prozent andere EU-Sprachen sieben Prozent und immerhin fünf Prozent Nicht-EU-Sprachen.

Gefragt ist immer noch: "Englisch, Englisch, Englisch", bringt es Beate Kleeßen vom Messe-Veranstalter ICWE (International Conferences, Workshops and Exhibitions) auf den Punkt. Und dann "kommt eine ganze Weile nichts mehr." Spanisch habe sich inzwischen auf den zweiten Platz vorgearbeitet und Französisch verdrängt. Osteuropäische Sprachen spielen zwar noch eine untergeordnete Rolle, sind aber nach der EU-Osterweiterung zunehmend von Bedeutung: So steht die Messe Expolingua-Berlin (18.-20. November) anläßlich des Deutsch-Polnischen Jahres unter dem Motto "Republik Polen als Gastland". Auf der Sprachen-Messe stellen sich Universitäten, Schulen, Sprachkursanbieter und einzelne Regionen aus Polen vor.

In global aufgestellten Unternehmen ist Fremdsprachenkompetenz Wirklichkeit geworden.
Eine einzige Fremdsprache reicht oft nicht mehr aus, um beispielsweise den so wichtigen persönlichen Kontakt zum Geschäftspartner oder Kunden zu pflegen. Das spiegelt sich immer stärker auch in der Zusammensetzung der Belegschaft wider. So sind viele Mitarbeiter der in allen EU-Mitgliedsstaaten, sowie in Sofia, Bukarest, Moskau und New York vertretenen PR- und Werbeagentur Media Consulta (MC) mehrsprachig. "Ohne Fremdsprachen kommt man bei uns nicht weiter", sagt MC-Geschäftsführer Harald Zulauf. "Englisch ist ein Must und wird erwartet." Allein in Deutschland betreuen 60 MC-Mitarbeiter internationale Projekte. Die gesamte Korrespondenz erfolgt in Englisch, während Deutsch nicht unbedingt Bedingung ist. Die meisten sprechen noch eine weitere Fremdsprache. Lettisch zum Beispiel. Oder Russisch, Polnisch und Rumänisch. Aber auch Griechisch, Türkisch, Arabisch, Persisch oder Mandarin sind vertreten. Notfalls wird mit Sprachunterricht nachgeholfen. Zulauf: "Unsere Mitarbeiter kommen dann morgens eine Stunde früher."

Und für den Fall, daß trotz allem gerade kein Mitarbeiter mit der passenden Sprache zur Hand ist, gibt es in Malta ein agentureigenes Translation Center, das professionelle Übersetzungen für alle 20 EU-Sprachen und weitere Sprachen anbietet. Ob Kampagnen zur Einführung des Euro in Osteuropa - natürlich in der jeweiligen Landessprache - eine Anti-Korruptions-Kampagne in Litauen oder Plakat-Aktionen zur Einführung der Mehrwertsteuer in Estland und Lettland. "Durch den EU-Beitritt sind osteuropäische Sprachen "ganz klar im Kommen", bestätigt Zulauf.

Auch die Gastprofessoren der Stiftungsinitiative Johann Gottfried Herder benötigen für ihre Lehrtätigkeit im Ausland Fremdsprachenkenntnisse. Ziel der Initiative ist es, emeritierte Hochschullehrer für Gastaufenthalte an Universitäten in Osteuropa zu gewinnen. So spricht Professor Rudolf Dootz neben Deutsch, Englisch und "ein bißchen Russisch und Ungarisch" perfekt Rumänisch. Er ist in Bukarest geboren, kam 1985 nach Deutschland und ging 2002 wieder zurück, um an der deutsch-rumänischen Universität Hermannstadt zu lehren. "Meine Fremdsprachenkenntnisse haben mir geholfen, den Studenten näherzukommen und mein Wissen besser weiterzugeben." Dootz hat ein Lehrbuch über computergestützte Statistik in rumänischer Sprache veröffentlicht und lehrt zum Teil auf Rumänisch. "Mit Englisch allein kommt man nicht so weit", sagt der 70jährige. Ans Aufhören mag er noch nicht denken: "Die Arbeit macht Spaß und das Hin und Her ist schon eine Herausforderung"

von Marie-Thérèse Nercessian, www.welt.de

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